Meldung vom 13.03.2018

Ukraine: Wo Osteuropas Potential verborgen liegt

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  • Die makroökonomische Situation hat sich seit 2015 stabilisiert
  • UNIQA größte Versicherung am Markt
  • Technologischer Aufholprozess entscheidend für langfristige wirtschaftliche Entwicklung
  • Internationale finanzielle Unterstützung verbessert Finanzstabilität

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  • Die makroökonomische Situation hat sich seit 2015 stabilisiert
  • UNIQA größte Versicherung am Markt
  • Technologischer Aufholprozess entscheidend für langfristige wirtschaftliche Entwicklung
  • Internationale finanzielle Unterstützung verbessert Finanzstabilität

Heute Dienstag bricht unter der Patronanz von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Außenministerin Karin Kneissl eine österreichische Delegation in die Ukraine auf. Auf dem Programm stehen neben Gesprächen über die vielfältigen bilateralen Beziehungen sowie die Beziehungen zur EU, die Lage im Osten der Ukraine, das Minsker Abkommen aber auch die Unterzeichnung eines Kultur- und Bildungsabkommens. Grund genug genauer auf die wirtschaftliche Entwicklung und Perspektive dieses flächenmäßig größten Landes Europas zu schauen.

Wirtschaftsaufschwung in Ukraine angekommen
„Der Wirtschaftsaufschwung ist in vollem Gange“, bringt es UNIQA Chefökonom Martin Ertl auf den Punkt. Im Schlussquartal 2017 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,8 Prozent und um rund 2,2 Prozent im gesamten letzten Jahr. Die Erholung wird durch Zuwächse beim privaten Konsum und Investitionen angeschoben. Lohnanhebungen wirken sich unterstützend auf die Ausgaben und die Stimmung unter den privaten Haushalten aus. Reale Lohnzuwächse lagen im letzten Jahr vor allem infolge der großzügigen Anhebung öffentlicher Löhne und Gehälter sogar über 40 Prozent. „Der Aufschwung setzt sich fort und das BIP wird in 2018 und 2019 voraussichtlich um 3,0 Prozent und 3,2 Prozent expandieren“, prognostiziert Ertl

Ukraine ist einer der größten Versicherungsmärkte in Osteuropa
2017 erwirtschaftete der ukrainische Versicherungsmarkt voraussichtlich Prämien in der Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Das macht ihn zu einem der größten Versicherungsmärkte in Osteuropa. Und doch ist das Potential noch lange nicht ausgeschöpft: Im Jahr 2017 lagen die pro Kopf Ausgaben für Versicherungen im Schnitt bei mageren 30 Euro, in Österreich liegt dieser Wert bei 2.000 Euro.

Die UNIQA-Gesellschaften in der Ukraine waren 2017 sehr erfolgreich und konnten mit einem Prämienwachstum von 60,3 Prozent in lokaler Währung ein Prämienvolumen von 71,1 Millionen in Euro (2016: 47,6 Millionen Euro) erzielen. Im gleichen Zeitraum wird der ukrainische Versicherungsmarkt voraussichtlich um rund 30 Prozent gewachsen sein – finale Zahlen der Aufsicht liegen noch nicht vor. UNIQA hat den Marktanteil auf 5,54 Prozent gesteigert und belegt damit den ersten Rang am ukrainischen Versicherungsmarkt. 

Versicherungswirtschaft in Zahlen
Die ukrainische Versicherungswirtschaft befindet sich in einem Konsolidierungsprozess: waren beispielsweise 2011 noch 442 Versicherer am Markt tätig, so waren es im Vorjahr nur mehr 296 Unternehmen (34 Lebensversicherer und 262 Nichtlebensversicherer). Der mit Abstand größte Teil des Prämienvolumens fällt mit 93 Prozent auf den Sachversicherungsbereich. Der ukrainische Lebensversicherungsmarkt ist mit einem Anteil von 7 Prozent am gesamten Prämienvolumen hingegen noch relativ unterentwickelt.

Bevölkerung schrumpft
Seit dem Ausbruch des Konflikts in der Ostukraine war das Land mit einer massiven Abwanderung konfrontiert. In 2016 wurden 600.000 Aufenthaltsgenehmigungen in der EU bewilligt, wobei die größte Abwanderung Richtung Polen stattfand. Insgesamt wurden seit 2014 1,3 Millionen ukrainische Aufenthaltsgenehmigungen in der EU bearbeitet. Die starke Abwanderung wirkt sich negativ auf das Arbeitskräftepotential aus. Auch die langfristigen demografischen Prognosen implizieren einen kontinuierlichen Rückgang (von rund 1 Prozent pro Jahr) in der Erwerbsbevölkerung.

Korruption noch immer ein Problem
Die langfristige wirtschaftliche Entwicklung bleibt entscheidend vom technologischen Aufholprozess abhängig. Die Entwicklungsindikatoren der Weltbank weisen zwar ein gemischtes Bild aus, aber unterm Strich ist wenig Fortschritt erkennbar. Die Ukraine hat sich im Ranking des „Ease-of-Doing“ Business Indikators vom 87. auf den 76. Platz verbessert. Eine Verbesserung ist im Bereich der demokratischen Teilnahme und Meinungs- und Pressefreiheit erkennbar, während sich die politische Stabilität, Kriminalität und Terrorismus seit 2013 auch durch den Konflikt in der Ostukraine verschlechtert haben (Weltbank Governance Indikatoren). Obwohl sich das Land im Korruptionsindex von Transparency International seit 2012 von Rang 144 auf 130 gesteigert hat, ist das hohe Korruptionsniveau eine der größten Bremsen der wirtschaftlichen Entwicklung.  Eine Studie des Internationalen Währungsfonds kam letztes Jahr zu dem Ergebnis, dass eine Senkung der Korruption auf das Niveau von beispielsweise Bulgarien oder Rumänien das jährliche BIP-Wachstum um bis zu 1,3 Prozent steigern würde.

Noch ein langer Aufholprozess
Verschiedene Wachstumsanalysen weisen auf das hohe Aufholpotential der ukrainischen Wirtschaft hin. Die Produktivität liegt bei weniger als 50 Prozent der Vereinigten Staaten, welche oft als die technologische Sperrspitze herangezogen werden. Die Kapitalintensität, also Maschinen und Kapitalgüter pro Kopf, wird auf rund 28 Prozent geschätzt. In den vergangenen 20 Jahren lag die durchschnittliche Produktivitätsentwicklung bei 3,6 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt die negative langfristige Entwicklung des Arbeitskräftepotentials. „Das heißt, bei der aktuellen Produktivitätsentwicklung bleibt die Ukraine langfristig ein relativ armes Land“, so Ertl. Im positiven Fall eines rapiden technologischen Aufholprozesses und effizienteren Einsatzes der vorhandenen Ressourcen könnte Ukraine allerdings ein jährliches Wachstumspotential von bis zu 8 Prozent entfalten.

Mit der Einrichtung der Antikorruptionsbehörde und der umfassenden Vermögensdeklaration öffentlicher Personen wurden bereits wichtige Schritte zur Korruptionsbekämpfung umgesetzt. Die Einrichtung eines Gerichtshofs zur Korruptionsbekämpfung ist im Gange und auch eine Bedingung zur Weiterführung des notwendigen Finanzierungsabkommens mit dem Internationalen Währungsfonds.

Ziel: Finanzstabilität
“Insgesamt wurde die makroökonomische Situation seit dem Einbruch in 2015 stabilisiert und insbesondere die Finanzstabilität verbessert“, beschreibt Ertl. Die ukrainische Notenbank (NBU), welche auch für die Restrukturierung des Bankensektors verantwortlich ist, verfolgt ein Inflationsziel von 6 Prozent in 2018 und 5 Prozent in den Folgejahren. Die Preisentwicklung blieb mit 14,1 Prozent Inflation im Januar darüber, weshalb die NBU den Leitzinssatz mittlerweile wieder auf 17 Prozent angehoben hat. Der Anstieg der Währungsreserven auf 18,4 Mrd. USD von einem Tiefststand unter 10 Mrd. in 2014 stabilisiert auch den Wechselkurs der lokalen Währung Hrywnja. Die Auslandsschulden hatten mit fast 70 Prozent des BIP in 2015 ihren Höchststand erreicht und gingen zuletzt auf 52 Prozent zurück. Das öffentliche Defizit wurde mit 1,5 Prozent im letzten Jahr unter Kontrolle gebracht, während die Staatsschulden in Summe bei 74 Prozent des BIP nach wie vor hoch liegen. Nach einer Phase der Konsolidierung im Bankensektor wird vereinzelt – insbesondere bei der Kreditvergabe an private Haushalte – wieder ein Anstieg verzeichnet (6,6 Prozent im Dezember). Dass auch die privaten Bankguthaben in lokaler Währung wieder mit rund 20 Prozent steigen, darf als ein kleines Zeichen für steigendes Vertrauen der Bevölkerung in den Bankensektor und in die Währung gewertet werden.
Während eine makroökonomische Stabilisierung und eine Konjunkturerholung erkennbar sind, hängt das Ausschöpfen des großen Wirtschaftspotentials an der Umsetzung weiterer Reformschritte durch die politischen Entscheidungsträger.
 
UNIQA
Die UNIQA Group ist eine der führenden Versicherungsgruppen in ihren Kernmärkten Österreich und Zentral- und Osteuropa (CEE). Rund 19.600 Mitarbeiter und exklusive Vertriebspartner betreuen in 18 Ländern mehr als 9,5 Millionen Kunden. In Österreich ist UNIQA mit einem Marktanteil von über 21 Prozent der zweitgrößte Versicherungskonzern. In der Wachstumsregion CEE ist UNIQA in 15 Märkten zu Hause: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, Tschechien, Ukraine und Ungarn. Darüber hinaus zählen auch Versicherungen in der Schweiz und Liechtenstein zur UNIQA Group.

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