Meldung vom 08.01.2018

Österreichs Abgabenlast im internationalen Vergleich

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  • Österreichs Abgabenquote liegt mit 42,9 % des BIP (2016) im oberen europäischen Mittelfeld.
  • Steuern auf Arbeitseinkommen und Sozialversicherungsbeiträge liegen deutlich über dem EU Schnitt.
  • Kapital, insbesondere Vermögensbestände, sind vergleichsweise niedrig besteuert.
  • Niedrige Abgaben auf Unternehmensgewinne fördern Investitionstätigkeit und steigern Produktivitätswachstum.

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  • Österreichs Abgabenquote liegt mit 42,9 % des BIP (2016) im oberen europäischen Mittelfeld.
  • Steuern auf Arbeitseinkommen und Sozialversicherungsbeiträge liegen deutlich über dem EU Schnitt.
  • Kapital, insbesondere Vermögensbestände, sind vergleichsweise niedrig besteuert.
  • Niedrige Abgaben auf Unternehmensgewinne fördern Investitionstätigkeit und steigern Produktivitätswachstum.

Wie hoch ist die Abgabenlast in Österreich? Wie hat sich diese entwickelt und wo steht Österreich im internationalen Vergleich? Die Abgabenquote aus Steuern und verpflichtenden Sozialbeiträgen in Prozent des Bruttoinlandprodukt lag in Österreich im Jahr 2016 bei 42,9 % (Statistik Austria, Indikator 4).  Im Vergleich zum Vorjahr ist diese um 0,9 %-Punkte gesunken, liegt jedoch noch über den jüngsten Tiefständen von 41,9 % im Zeitraum 2005 bis 2010. Österreichs Abgabenquote liegt damit im internationalen Vergleich nicht nur deutlich über den verpflichtenden Abgaben in den USA (2016: 26,7 %, OECD) und Japan (2016: 30,6 %, OECD), sondern auch konstant über dem Durchschnitt der Volkswirtschaften des EU-15 Raums (2016: 40,5 %, Europäische Kommission), siehe Grafik 1.

Im europäischen Länder-Vergleich liegt Österreich damit im oberen Mittelfeld (Grafik 2). Die skandinavischen Länder Finnland (44,3 %), Schweden (44,6 %) und Dänemark (47,3 %) sowie Belgien (46,8 %) und Frankreich (47,6 %) weisen höhere Abgabenquoten auf als Österreich. Andere Vergleichsländer wie Deutschland (40,4 %) oder die Niederlande (39,3 %) liegen jedoch darunter.

Internationale Vergleiche der Höhe der Abgabenquote zeigen sich jedoch inhaltlich schwieriger als es auf den ersten Blick scheint, da die Höhe und Art der Leistungen variiert. Die effiziente Mittelverwendung der geleisteten Abgaben rückt daher ins Zentrum, sowie die damit verbundene Frage, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse effizienter durch die öffentliche Hand als durch den Markt bedient werden können. Reiss und Köhler-Töglhofer (2011) fassen die Aussagekraft der Abgabenquote wie folgt zusammen: Abgabenquoten sind somit eher ein Maß für die Dimension der Umverteilung sowie für die „Bruttobelastung“ als für die endgültige „Nettobelastung“ der Steuerpflichtigen.
Eine zielgerichtete Analyse der Abgabenquote kann demnach nur unter Berücksichtigung der Abgabenstruktur geschehen. Dabei fällt auf, dass insbesondere das Arbeitseinkommen der Beschäftigten (2015: 21,8 % des BIP) einen vergleichsweise großen Beitrag zur Abgabenquote leistet. Darin enthaltene Sozialversicherungsbeiträge erklären den Großteil aber nicht den gesamten Unterschied zum Durchschnitt der Volkswirtschaften des EU-15 Raums (Grafik 3). Nach dem Faktor Arbeit ist Konsum die wichtigste Komponente der österreichischen Abgabenstruktur (2015: 11,7 %). Im Unterschied zum Faktor Arbeit liegen Österreichs Konsumabgaben nur geringfügig über dem europäischen Durchschnitt. Kapital wird wiederum geringfügiger besteuert (2015: 7,4 %), wobei insbesondere die geringere Abgabenlast auf Vermögensbestände dazu beiträgt. Der Vergleich ausgewählter Komponenten der Abgabenstruktur zwischen Österreich und den Ländern der EU-15 zeigt, dass insbesondere höhere Sozialversicherungsbeiträge zur höheren Abgabenquote Österreichs beitragen.

Die hohe Belastung des Faktors Arbeit führt nicht nur zu einer höheren Abgabenquote, sondern kann auch zu geringerem Wirtschaftswachstum führen. Johansson et al. (2008) untersuchen Abgabenstrukturen nach dessen Effekte auf das Wirtschaftswachstum und kamen zu dem Ergebnis, dass Steuern auf persönliches Einkommen, nach der Besteuerung von Unternehmen, die negativsten Wachstumsimplikationen aufweisen.  Immobiliensteuern haben, gefolgt von Konsumsteuern, die geringsten negativen Wachstumseffekte. Die skandinavischen EU-Länder Dänemark, Finnland und Schweden weisen mit Mehrwertsteueraufkommen von über 9 % des BIPs höhere Werte auf als Österreich (7,7 %).
Im Unterschied zu Konsumsteuern haben Steuern auf Arbeitseinkommen eine stark progressive Komponente. Wachstumsorientierte Abgabenstrukturen können aufgrund dessen zu steigender Ungleichheit führen. Reduzierte Steuersätze für ausgewählte Produkte, welche verhältnismäßig häufiger von einkommensschwächeren Haushalten konsumiert werden, können dem nur bedingt entgegenwirken. Dennoch empfiehlt die jüngste OECD-Studie von Brys et al. (2016) eine Restrukturierung von Steuern auf Arbeits- und Unternehmenseinkommen hin zu Konsumsteuern, insbesondere einer Abschaffung reduzierter Steuersätze ohne progressiver Absicht (Restaurants, Hotels, Bücher und kulturelle Aktivitäten).
Eine effiziente Verwendung verpflichtender Abgaben ist eine Grundvoraussetzung um den Wirtschaftsstandort Österreich nachhaltig zu sichern. Darüber hinaus kann eine wachstumsorientierte Abgabenstruktur, die gesellschaftspolitische Probleme wie zunehmende soziale Ungerechtigkeit berücksichtigt, die österreichische Wirtschaft weiter fördern. Niedrige Abgaben auf Unternehmensgewinne sollten hierbei im Fokus stehen, da diese Investitionstätigkeit steigern und dadurch zu höherem Produktivitätswachstum führen.

 

Authors

Martin Ertl    Franz Zobl
 Chief Economist   Economist
 UNIQA Capital Markets GmbH   UNIQA Capital Markets GmbH


  

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